PRESSESTIMMEN „Jedermann“

 

Frankfurter Rundschau

Der Tod ist weiblich Keim ist dieses Jahr in guter Gesellschaft: Erstmals wird auch bei den Salzburger Festspielen mit Ulrike Folkerts eine Frau die Rolle übernehmen. Doch während die als Tatortkommissarin bekannte Schauspielerin ein hautenges Trikot überm muskulösen Körper trägt, von oben bis unten fleckig weiß geschminkt ist und wahrlich zum Fürchten ausschaut, wirkt Dorothee Müller in der Inszenierung Keims unnahbar und majestätisch.

Den Jedermann – eine Paraderolle für jeden Bühnentitanen – spielt der Regisseur. Dass Günther Keim in seinen Produktionen selbst den Hauptpart übernimmt, ist nicht außergewöhnlich; unvergessen sind seine Auftritte als Shakespeares „Macbeth“ oder 2004 als „Rappelkopf“ in Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“.

 

Gelnhäuser Neue Zeitung

Atemberaubende Auferstehung des Jedermann Es ist kein Mysterium, keine Allegorie, die sich ausbreitet, sondern ein Spiel vor der Menge. Die Größe und Mächtigkeit der Kunst mit der ganzen Menschheit zu teilen, wie Autor Hugo von Hofmannsthal vor fast 100 Jahren es wollte, dieses Spiel vor der Menge hat das Ensemble bravourös gemeistert.

Ein aufgekratzter Teufel sucht vergeblich sein Opfer. Der Tod nähert sich gespenstisch, so dass selbst die Geigen im Ton erstarren. Unerbittlich Dorothee Müller in dieser Rolle. Es war richtig gruselig ihrem todbringenden Werk zuzuschauen. Wie sie sich den um einen Kopf kürzeren Jedermann griff, war ergreifend. Was die 17-jährige Rebecca Büttner als zerbrechliche Werke bietet, ist unglaublich. Die Buhlschaft war verführerisch wie in Salzburg, die Vettern waren charmant eckig und die Fräuleins bigott berauschend. Mucksmäuschenstill hofften 300 Zuhörer unter freiem Himmel auf Jedermanns Erlösung.

 

 

Fuldaer-Zeitung

Die Gnade des gütigen Todes Der Tod im schwarzen Umhang, den Dorothee Müller mit majestätischer Haltung und schneidender Diktion ausstattete, sorgte für die innigste Szene der Aufführung, als er den sterbenden Jedermann mit einer gütig-liebevollen-mütterlichen Umarmung umfing und beschützte.

In den zahlreichen Rollen, die teils realistisch, teils überzeichnet angelegt waren, überzeugten zum überwiegenden Teil Jana Würker als exaltierte Buhlschaft, Tino Bartsch als arrogant-feiger Guter Gesell, Ingrid Geller als verhärmt damenhafte Mutter, Sandy Sanne als anrührende arme Nachbarin, Reinhard Müller als gemarterter Schuldknecht, Kirsten Gojowzcyk als verzweifelte Frau des Schuldknechts, Richard Schnell als dümmlicher Dicker Vetter, Frank Müller als gelackt-geckenhafter Dünner Vetter, Karl Lingenfelder als attraktiver Gott und als schwarz-schwänziger Teufel, Britta Ranglack als lasziv-greller Mammon sowie Rebecca Büttner als Gute Werke und Andrea Bachhuber als Glaube, zwei ätherische Wesen aus einer anderen Welt.

 

Kinzigtal-Nachrichten

Ein selbstgerechter Kapitalist Der Teufel beschreibt den Jedermann als prächtigen Schwelger und Weinzecher, Buhl, Verführer, Ehebrecher, Unterdrücker, Neider und Hasser. Ein derartiger Unhold war Keims Jedermann beileibe nicht, eher ein genusssüchtiger Lebemann und selbstgerechter Kapitalist. Gut gelang es Keim, die wachsende Verstörtheit und die Wandlung zu vermitteln. Er erklärte das Eingeständnis des Versagens aus der Todesangst heraus und aus der Hoffnung auf das ewige Leben. Ein Sonderlob verdienten Sabine Keim für die opulenten Kostüme, die zusammen mit Christine Reinholz auch für die vorzügliche Maske verantwortlich war. Ihnen galt der kräftige Beifall ebenso wie Tommy Geller, der die Musik beisteuerte.